Hydrotherapie Vollguß und Abguß

Hydrotherapie Vollguß / Abguß

"Das Wasser, speziell (im besondern) unsere Wasserkur heilt alle überhaupt heilbaren Krankheiten; denn ihre verschiedenen Wasseranwendungen zielen darauf ab, die Wurzeln der Krankheit auszuheben"

Sebastian Kneipp

Hinweis: Die auf dieser Webseite bereitgestellten Beschreibung von hydrotherapeutischen  Anwendungen, hier der Vollguß bzw. Abguß, dienen ausschließlich Bildungszwecken, insbesondere als begleitende Information zu den auf dieser Webseite angebotenen Kursen und Retreats, und sollten nicht als Ersatz für professionelle Anleitung oder medizinischen Rat betrachtet werden. Obwohl Hydrotherapie viele gesundheitliche Vorteile haben kann, ist es wichtig, die Übungen sorgfältig und sicher auszuführen. Besonders wichtig ist es die Hydrotherapieanwendungen bei Bedarf den körperlichen Bedürfnissen des Übenden individuell anzupassen. Dies gilt ausdrücklich nicht nur für hydrotherapeutische Anwendungen die einen starken reiz auslösen sondern ebenfalls für mildere vereinfachte Basis Formen bzw. Varianten. Bei gesundheitlichen Einschränkungen oder spezifischen Befindlichkeitsstörungen, konsultieren Sie bitte einen Arzt oder einen qualifizierten Heilpraktiker, bevor Sie mit einem Hydrotherapie-Programm beginnen. Wir empfehlen dringend, die hier präsentierten Sequenzen und Techniken unter der Aufsicht eines kompetenten und zertifizierten Kneipp-Trainers zu praktizieren, um eine sichere Ausführung zu gewährleisten. Mit dem Herunterladen oder der Nutzung dieser Beschreibung von hydrotherapeutischen  Anwendungen erkennen Sie an, dass sie primär zu Bildungszwecken bzw. für Demonstrationszwecke als visueller Referenz dienen und dass Sie die volle Verantwortung für Ihre eigene Gesundheit übernehmen.

"Es ist eine wohlbegründete Regel bei Kneipp, warmen Anwendungen, Vollbädern zum Beispiel, eine kurze kalte Begießung folgen zu lassen, um das Ermüdungsgefühl zu beseitigen und die weit geöffneten Poren zu schließen" (Sebastian Kneipp)

Eine Anwendung aus der Naturheilkunde und Hydrotherapie.

Der Ganz- oder Vollguß (oder "Abguß" nach warmen Anwendungen), für gesunde Personen zur Stärkung der Abwehrkräfte und Entlastung des Kreislaufs.

Wirkung:

Zur "Abhärtung", Hilfe bei Stoffwechselstörungen (z.b. Übergewicht, Gicht, Diabetes), bewirkt ein starkes Gefühl der Erfrischung und einer allgemeinen Leichtigkeit

Voraussetzungen / Regeln:

  • Für Gesunde Personen
  • Nach warmen Anwendungen wie Bad, Sauna (oder Dusche)
  • "Vorher warm, nachher warm". Der Körper muss sich vor der Anwendung warm anfühlen. Nach der Anwendung muss eine aktive Wiedererwärmung erfolgen, durch Bewegung, Erwärmung im Bett, Strümpfe anziehen
  • Vorsicht bei akuten Nieren- und Blasenentzündungen, Vorsicht bei Venenerkrankungen, Vorsicht bei Frieren , dann vorher für Erwärmung sorgen. Z.B. bei kalten Füßen mit einem warmen Guß beginnen,
  • Vorsicht bei Ischiasnervenschmerzen
  • Zwischen den Anwendungen eine Mindestpause von 1 Stunde einhalten

"Bei Kränklichen und Schwächlichen darf, ja soll das Wasser etwas temperiert („abgeschreckt“) werden und wenigstens die Temperatur haben, welche das Wasser in Badeanstalten zur Sommerszeit hat (15–18°R.)."
Sebastian Kneipp

 

Vollguß / Abguss nach Kneipp

Durchführung des Vollguß / Abguß:

Vorbereitung: Die Wassertemperatur entspricht der Verträglichkeit.
Vorbereitung: Ein weicher Wasserstrahl. Das Wasser soll die Haut ummanteln um damit einen optimalen milden Kältereiz zu setzen
Vorbereitung: Man vermeidet eine direkte Begießung des Schienbeins und geht mehr über die seitlichen Muskelteile auf- und abwärts.
Vorbereitung: Die Ein- und Ausatmung durch die Nase ist gleichmäßig fließend, während der Anwendung ruhig weiteratmen
Vorbereitung: Den Wasserstrahl führen, Beginn an der rechten Fußaußenseite, kleiner Zeh
Schritt 1: Man führt den Wasserstrahl von dort Rückwärts über den Vorderfuß zur Ferse und langsam an der rechten Außenseite des Körpers langsam bis zur Hüfte und wieder zur Ferse langsam abwärts.
Schritt 2: Dann beginnt man am linken Fuß in der gleichen Weise wie vorher am rechten Fuß und führt wiederum Rückwärts über den Vorderfuß zur Ferse und an der linken Außenseite des Körpers langsam bis zur Hüfte
Schritt 3: Und von dort wieder hinab, um unterhalb des Gesäß auf die rechte Seite zu wechseln.
Schritt 4: Jetzt begießt man die rechte Hand, mit der man die Stirn und und die Brust wäscht.
Schritt 5: Nun wird der Wasserstrahl am rechten Arm und aufwärts bis zur Schulter geführt, von wo man das Wasser gleichmäßig über die rechte Körperhälfte fließen läßt.
"Der größere Teil des Wassers soll hierbei über die Rückseite, der kleinere Teil über die Vorderseite des Körpers fließen" (Sebastian Kneipp)
Schritt 6: Nach einem kurzen Verweilimpuls zum milden Kältereiz führt man den Schlauch am Rücken abwärts und wechselt unter dem Gesäß zur linken Hand
Schritt 7: Nun wird der Wasserstrahl am linken Arm aufwärts bis zur linken Schulter und gießt in gleicher Weise wie rechts die linke Körperseite ab
Schritt 8: Bei einem Vollguß wird über den Nacken zur rechten Schulter und wieder zurück gewechselt (sogenanntes "verstärken").
Schritt 10: Abschliessend führt man den Schlauch am Rücken des Körpers wieder zur Ferse langsam abwärts.
Schritt 11: Die Vorderseite wird in der gleichen Weise begossen. Wiederum am rechten Fuße beginnend, führt man den Wasserstrahl über den Vorderfuß zur Ferse und langsam an der rechten Außenseite des Körpers langsam bis zur Hüfte und langsam wieder nach unten bis zur großen Zehe zurück führen.
Schritt 12: Dann beginnt man am linken Fuß in der gleichen Weise wie vorher am rechten Fuß und führt den Wasserstrah wiederum über den Vorderfuß zur Ferse und an der linken Außenseite des Körpers langsam bis zur Hüfte und wieder hinab um unterhalb des Gesäß auf die rechte Seite zu wechseln.
Schritt 13: Hier begießt man die rechte Hand, der Wasserstrahl am rechten Arm und aufwärts bis zur Schulter geführt, von wo man das Wasser gleichmäßig über die rechte Körperhälfte fließen läßt.
Schritt 14: Nun führt man den Schlauch auf der Vorderseite abwärts und wechselt unterhalb dem Gesäß zur linken Hand und hier aufwärts zur linken Schulter und gießt in gleicher Weise wie rechts die linke Körperseite ab
Schritt 15: Bei einem Vollguß wird wieder "verstärkt" und über das Brustbein zur rechten Schulter und wieder zurück gewechselt.
Schritt 16: Nun führt man den Schlauch langsam abwärts und macht führt den Wasserstrahl in 3 Kreisen und den Bauch und dann an der linken Seite langsam wieder nach unten bis zur großen Zehe zurück führen.
Schritt 17: Anschliessend kann ein vereinfachter Gesichtsguß folgen. Man beginnt an der rechten Schläfe und führt den Wasserstrahl in 3 Kreisen um das Gesicht herum
Schritt 18: Zum Abschluss wird die rechte Fußsohle und die linke Fußsohle begossen
Schritt 19: Wasser nur abstreifen, so daß ein dünner Wasserfilm auf der Haut zurück bleibt. Die Verdunstung ist essentiell für die Wirkung des Gußes. Das Wasser ist nach 1-2 Minuten verdunstet.
Schritt 20: Für Wiedererwärmung sorgen ( Socken anziehen, gehen, bewegen oder ins ins Bett legen)

"Kranken, bei denen ich besonders starke Auflösungen und Ausleitungen erzielen möchte, gebe ich nach dem Vollgusse noch folgende Anwendung. Das durch den Guß naß gewordene Hemd wird rasch so ausgewunden, daß es nicht mehr träufelt, und dann als Wickel benützt (s. Wickelungen), in welchem der Patient 1 bis 1½ Stunden bleibt. Andernfalls muß es selbstverständlich ausgezogen und durch trockene Wäsche ersetzt werden. Der Patient selbst macht sich Bewegung, bis er völlig warm und trocken ist."
Sebastian Kneipp

Hydrotherapie Vollguss und Abguss Videodemonstration

Sebastian Kneipp über die Wirkung:

"Mit dem Reaktionseintritt werden die Blutmassen in die Hautdecke und in die inneren Organe geleitet, womit das sogenannte Kesselgebiet des Kreislaufs entlastet wird. Das Hauptanwendungsgebiet des Vollgusses sind Abhärtungskuren für kräftige Personen und die Behandlung von Stoffwechselstörungen, wie Fettsucht. Auch bei örtlichen Stauungszuständen in der Blutzirkulation kann der Vollguß in Frage kommen, nicht jedoch bei fortgeschrittener Arterienverkalkung, Versagen der Herzleistung (Herzinsuffizienz), abnorm niedrigem Blutdruck und bei depressiven Erregungszuständen."

"Gesunden, besonders korpulenten Personen, ist dieser Guß sehr zu empfehlen. Er härtet ab, steigert die Zirkulation des Blutes, kräftigt und hebt diese blutarmen und wasserscheuen Individuen aus ihrer übergroßen Empfindsamkeit und Empfindlichkeit heraus. Wer sich kalt fühlt und wem fröstelt, der darf den Guß nicht nehmen, er stelle denn zuerst die richtige Naturwärme her, sei es durch Bewegung, sei es durch künstliche Nachhilfe, etwa den Fuß- oder Kopfdampf. Sonst aber kann er Sommers und Winters vorgenommen werden, im Winter selbstverständlich in einem gewärmten Lokale."
Sebastian Kneipp

 

Folgende Quellen wurden für diese Artikel benützt:

Name Autor Jahr Kommentar
Meine Wasserkur Sebastian Kneipp
1890 ONLINE
So sollt Ihr leben Sebastian Kneipp
1889 ONLINE
Richtig kneippen Ines Wurm-Fenkel, Doris Fischer 2016 Praxishandbuch
Kneippvisite.de Kneipp Bund ONLINE
Kneippsche Anwendungen / Natürliche Reize Sebastian Kneipp Akademie